baum-schwitzt-experimentEs ist zwar erst acht Uhr morgens, trotzdem hat es draußen schon gefühlte 30 Grad. Als mein Hund Lucy und ich endlich den Waldrand erreichen, machen wir im Schatten des ersten Baumes, einer alten Eiche, eine kurze Pause. Mir steht der Schweiß ins Gesicht geschrieben, Lucy hechelt. Madame „alte Eiche“ hat die Ruhe weg. Ganz cool steht sie da und spendet uns Schatten. Als ich wieder zuhause bin – Lucy liegt immer noch hechelnd auf dem kalten Fliesenboden, ich trinke erst mal ein großes Glas Apfelsaftschorle – beginne ich zu recherchieren. Und zu experimentieren. [Ein Gastbeitrag von Julia Ehmer]

Schwitzen Bäume eigentlich auch? Ja, heißt es. Nachvollziehen könne man das mit einem einfachen Experiment. Ich gucke Lucy an. An ein „Zurück in den Wald“ ist im Moment nicht zu denken. Also muss der Kirschbaum im Garten herhalten. Ich packe ein paar seiner Blätter in eine Plastiktüte und verschließe diese luftdicht mit einem Haushaltsgummi. Zwei Stunden später das Ergebnis: In der Tüte sind kleine Wassertropfen zu erkennen. Der Baum hat tatsächlich geschwitzt.

Und das nicht ohne Grund. Das Wasser im Baum verdunstet an den Unterseiten seiner Blätter – durch winzige Poren, die im Fachjargon Stomata heißen. Durch den Unterdruck fließt Wasser aus den Stielen, Ästen und dem Stamm in die Blätter nach. Ganz ohne Kraftaufwand versorgt der Baum sich so mit Flüssigkeit.

An einem Tag wie heute wird natürlich auch in Wald und Garten mehr geschwitzt. Weil einfach mehr Wasser verdunstet. Die Bäume müssen über ihre Wurzeln auch mehr Wasser aufnehmen. Kein Problem: Sie haben ein weit verzweigtes Wurzelsystem und erreichen auch tieferliegende Wasserreserven.

Dass die Bäume so cool bleiben, hat übrigens auch einen netten Nebeneffekt für die Tierwelt. Wie Forscher herausfanden, umarmen Koalas in Australien Baumstämme, um sich abzukühlen. Ähnlich wie Lucy, die immer noch auf dem kalten Fliesenboden liegt. Ich werde das jetzt auch gleich mal ausprobieren. Also das mit dem Baumstamm …


Ein Gastbeitrag von Julia Ehmer